In der Übersicht
Im ersten Teil stand die >> Erfahrung im Teppichladen in Marrakesch << im Mittelpunkt. In diesem zweiten Teil geht es ausschließlich um eines: Was heißt das konkret für Ihren Vertrieb als Malerunternehmer?
Statt die Geschichte nachzuerzählen, übersetzen wir die dahinterliegenden Prinzipien direkt in typische Situationen Ihres Alltags.
1. Einstieg beim Kunden: Beziehung vor Angebot
Situation: Ersttermin beim Privatkunden, Angebotsaufnahme.
Ziel: Der Kunde soll sich öffnen, statt in einer „Verteidigungsposition“ zu bleiben.
Mögliche Formulierungen:
- „Mir ist wichtig, zuerst zu verstehen, was Ihnen hier wirklich wichtig ist – dann können wir gemeinsam schauen, was die passende Lösung ist.“
- „Heute geht es erstmal darum, Optionen zu sehen. Entscheiden können Sie danach in Ruhe.“
Botschaft:
Nicht „Ich will Ihnen etwas verkaufen“, sondern „Ich will verstehen und mit Ihnen eine sinnvolle Lösung finden.“
2. Kundenwelt statt Fachwelt
Situation: Beratung zu Farben, Oberflächen, Qualitäten.
Ziel: Der Kunde erkennt selbst, was zu ihm passt – Sie moderieren nur.
Fragen statt Fachvorträge:
- „Was stört Sie aktuell am meisten?“
- „Eher ruhig und dezent – oder darf man sehen, dass hier etwas gemacht wurde?“
- „Haben Sie ein Bild oder Beispiel, das Ihnen gefällt? (Handy, Pinterest, Referenzfotos)“
Unterstützung:
- Musterflächen, Vorher-Nachher-Bilder
- Kleine „Ideenmappe“ statt lose Farbkarte
Der Kunde erlebt: „Hier versteht mich jemand“ – nicht: „Hier erklärt mir jemand Technik.“
3. Klarer Ablauf statt losem Gespräch
Situation: Ein Besuch beim Kunden verläuft „aus dem Bauch“, jeder Termin anders.
Ziel: Ein schlanker, wiederholbarer Ablauf, der Sicherheit gibt – für Sie und den Kunden.
Beispielstruktur für Vor-Ort-Gespräche:
- Ankommen & Ziel klären (5 Min.)
- Fragen & Zuhören, Räume anschauen (10–20 Min.)
- 2–3 sinnvolle Varianten und eine Empfehlung (10–15 Min.)
- Konkreten nächsten Schritt vereinbaren (5 Min.)
Wichtig ist vor allem Punkt 4: Am Ende steht immer eine Vereinbarung („Ich schicke Ihnen bis Donnerstag… wir telefonieren am Freitag um 10 Uhr dazu“), nicht ein diffuses „Ich melde mich mal“.
4. Einwände als Wegweiser
Typische Einwände im Malerbetrieb:
- „Das ist aber teuer.“
- „Wir wollten das eigentlich später machen.“
- „Ich muss das erst mit meinem Mann / meiner Frau besprechen.“
Statt sofort zu argumentieren:
- „Darf ich fragen: Ist es eher der Preis, der Zeitpunkt oder etwas anderes, was Sie gerade zögern lässt?“
- „Wenn wir eine Variante finden, die besser zu Ihrem Budget passt – wäre das Thema dann grundsätzlich interessant?“
Einwände sind dann keine Blockade, sondern ein Hinweis, wo noch Klärungsbedarf besteht.
Praxis-Tipp:
Einmal im Büro zusammensitzen, die 10 häufigsten Einwände sammeln und Antworten in „Kunden-Sprache“ formulieren. Das nimmt Druck aus künftigen Gesprächen.
5. Verhandeln: Wertschätzung statt Gegenwehr
Situation: Kunde versucht am Preis „zu drehen“.
Reflexreaktion vieler Chefs: innerlich genervt.
Produktive Reaktion:
- „Es ist klug, genau hinzuschauen, wofür man sein Geld ausgibt – das verstehe ich gut.“
- „Lassen Sie uns kurz schauen, wie wir eine Lösung finden, die zu Ihrem Budget und zu Ihrem Anspruch passt.“
Mögliche Optionen:
- Leistungsumfang ehrlich reduzieren („Variante B“)
- Kleine Zugabe, die Ihnen wenig, dem Kunden aber viel bedeutet
- Klar begrenzter, begründeter Nachlass – aber als bewusste Entscheidung, nicht als Automatismus
Signal: Wer verhandelt, ist kein Gegner, sondern jemand, der sich ernsthaft mit Ihnen beschäftigt.
6. Menschen statt nur Quadratmeter sichtbar machen
Situation: Kunde versteht den Aufwand nicht („Abdecken, Vorbereitung, Schutzmaßnahmen“).
Statt abstrakt von „Arbeitszeit“ zu sprechen:
- „Zwei Kollegen sind einen halben Tag nur damit beschäftigt, Ihre Einrichtung und Böden so zu schützen, dass hinterher nichts beschädigt ist – das ist uns wichtig.“
- „Für diese Wand im Streiflicht setze ich unseren Kollegen ein, der darauf spezialisiert ist – damit Sie abends bei Licht nicht jede Unebenheit sehen.“
So wird aus „Kostenblock Arbeitszeit“ ein nachvollziehbarer Wert: Menschen mit Können, die etwas Konkretes für den Kunden tun.
7. Momentum nutzen
Situation: Der Kunde signalisiert Zustimmung („Das klingt gut…“, „Eigentlich spricht nichts dagegen…“).
Jetzt nicht abbiegen in: „Dann überlegen Sie in Ruhe und melden sich“, sondern:
- „Wenn das für Sie passt, würde ich vorschlagen: Ich kalkuliere diese Variante durch und reserviere Ihnen die Kalenderwoche X. Wollen wir das so machen?“
- „Wollen wir den Auftrag gleich fix machen, dann kann ich den Termin verbindlich zusagen.“
Entscheidungsbereitschaft ist zeitlich begrenzt. Wer den Moment verstreichen lässt, verlässt sich auf Zufall.
8. Nach dem Auftrag: Kontakt halten
Situation: Auftrag erledigt – Funkstille.
Verkauf endet nicht mit der Unterschrift, sondern mit dem Gefühl danach.
Einfache Routinen:
- 1–2 Wochen nach Abschluss:
„Kurze Frage: Passt alles, oder gibt es etwas, auf das wir nochmal schauen sollten?“ - Nach einem Jahr:
„Ihr Wohnzimmer / Ihre Fassade hat Geburtstag – wie zufrieden sind Sie heute damit?“
Solche Berührungen sind wenig Aufwand, aber hoher Effekt: Sie stärken Bindung, erzeugen Folgeaufträge und Empfehlungen – ohne bezahlte Werbung.
Vom Prinzip zur Routine
Wenn man alles bündelt, entsteht kein starres Skript, sondern ein einfacher Rahmen:
Die Geschichte aus Marrakesch liefert die Bilder –
dieser Rahmen macht sie für Ihren Malerbetrieb nutzbar.
- AuthorVonSandra Wichern
- Wann
- Geändert12. Mai 20269:16
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- Verkaufslehren aus Marrakesch – Teil 2




