Olaf Ringeisen: Benjamin, Ihr habt im letzten Jahr eure Wertschöpfung um 17 % gesteigert. Was war der eine Wendepunkt, an dem Euch klar wurde: So schaffen wir es, statt mit mehr Mitarbeitern mit mehr Produktivität zu wachsen?
Benjamin Elter: Der Wendepunkt war eigentlich die Klarheit. Also erstmal zu sehen: Wo stehen wir überhaupt? Nicht nur eine Zahl, sondern wirklich relevante Kennzahlen, die vergleichbar machen. Da war die Betriebsanalyse über das Malerinstitut mit dem BetriebsCockpit entscheidend. Das war die Basis, um alle im Team abzuholen. Wir wussten dann: Es geht nicht um mehr Leute, sondern darum, den Output pro Kopf zu steigern. Nicht über „von allem noch mehr“, sondern über bessere Abläufe.
Olaf: Und wie seid Ihr gestartet?
Benjamin: Wir haben durch die WinWorker Arbeitspaketierung viel Klarheit in der Baustellenorganisation gewonnen. Die Erwartungshaltung ist jetzt für alle sichtbar. Nicht einfach nur planen, sondern kommunizieren, was wie gemeint ist. Das geht nur, wenn vorher die Kalkulation stimmt. Und das ist keine Vorgabezeit mehr, sondern eine gemeinsam entwickelte Zielzeit. Die Mitarbeiter bekommen dadurch Orientierung – und sprechen plötzlich in konkreten Zahlen. Das war neu.
Olaf: Wie habt ihr das im Team verankert?
Benjamin: Indem wir die Rückmeldungen ernst nehmen. Es geht nicht darum, dass der Mitarbeiter sich rechtfertigt, sondern dass wir hinhören. Wenn einer sagt: Das reicht nie, dann prüfen wir das. Vielleicht haben wir was übersehen. Dadurch wurde das System besser. Heute sind viele dabei und denken dadurch besser mit als früher.
Olaf: Ihr habt euch auch neu positioniert. Wie kam es dazu?
Benjamin: Nach der Neuaufstellung unserer Firma war alles neu: Marke, Logo, Website. Also war auch die Frage: Für wen arbeiten wir überhaupt gern? Und warum überhaupt gern? Also was sind die ausschlaggebenden Faktoren für den Zielkunden? Und was wollen wir eigentlich? Das war der eigentliche Prozess: sich klarwerden. Wir haben gesagt: keine großen Bauträger mehr. Lieber Privatkunden, Hotellerie, kleinere Gewerbekunden, die zu uns passen. Und wenn eine Anfrage nicht passt, sagen wir heute Nein. Ganz bewusst.
Olaf: Und das fällt euch leicht?
Benjamin: Heute ja. Früher war das schwer und überhaupt nicht unser Mindset. Aber heute sehen wir: Ein klarer Fokus bringt mehr als jeder Auftrag. Auch die Qualifizierung von Anfragen über Telefon oder Teams spart uns viel Zeit.
Olaf: Kommen wir zum Thema Führung. Ihr habt Routinen eingeführt, z.B. Dailys und Weeklys.
Benjamin: Ja, ich führe Dailys mit meinen Projektleitern und Bürokräften. Und die Projektleiter wiederum mit ihren Baustellen. Aber das schläft auch mal ein. Da müssen wir wieder nachschärfen. Wichtig ist: Wir Geschäftsführer haben die Trainerrolle übernommen. Rechnungen, Angebote, Einteilung – das besprechen wir gemeinsam in Weeklys. Keine Rechnung geht raus, ohne dass Joachim oder ich drüberschauen – auch wenn das nach „Kontroletti klingt“: Diese Konsequenz schult und trainiert das Team.
Olaf: Du wirkst sehr strukturiert. Wie organisierst Du Dich?
Benjamin: Ich mag Struktur. Das kam durch ein Effizienztraining bei Ingo Enz. Seitdem arbeite ich mit klaren To-do-Listen auf Papier, einem täglich gepflegten Kalender, einer Wiedervorlagemappe, klarsichtigen Ablagefächern und das gebe ich weiter. Unsere neue Projektleiterin trainiere ich z. B. gerade. Freitags ruft sie an, wir gehen gemeinsam ihren Kalender durch. Ich will, dass sie lernt, realistisch zu planen und zu organisieren. Nur so wird Sie in der Lage sein, andere zu führen. Und natürlich nutzen wir auch digitale Tools, sind sehr affin für digitale smarte Abläufe, aber der Prozess dahinter muss halt funktionieren.
Olaf: Und wenn was nicht eingehalten wird?
Benjamin: Dann erinnern wir freundlich, aber konsequent. Struktur ist für alle da. Nicht um zu kontrollieren, sondern um gemeinsam besser zu arbeiten. Ich glaube, das kommt gut an.
Olaf: Zum Schluss: Was bedeutet für Dich 25 % Rendite?
Benjamin: Das ist eine starke Zahl. Aber nicht um jeden Preis. Für mich heißt das: bessere Kunden, mehr Leichtigkeit in den Prozessen, noch mehr Fokus. Der Mensch muss weiterhin im absoluten Blickpunkt stehen. Schließlich setzen wir das alles nur gemeinsam um. Wir brauchen also einerseits das Vertrauen der Mitarbeiter, dass es der richtige Weg ist, aber auch gleichzeitig die ganz persönliche Motivation jedes Einzelnen. Auch der Geselle muss etwas davon haben – nicht nur mehr Geld, sondern auch bessere Abläufe, schönere Baustellen, sinnvollere Arbeit. Dann ergibt das ganze Sinn.
Olaf: Vielen Dank, Benjamin. Starkes Gespräch.
Über Fa. Kaupp
Kaupp Ausbau & Fassade ist ein traditionsreicher Maler- und Stuckateurbetrieb mit Standorten in Baiersbronn und Schramberg. Seit über 90 Jahren tätig, beschäftigt das Unternehmen rund 70 Mitarbeiter. Das Unternehmen bietet umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Malerarbeiten, Stuckateurarbeiten, Trockenbau, Gerüstbau und Fassadensanierung an.
Benjamin Elter ist seit Januar 2023 gemeinsam mit Joachim Kaupp Geschäftsführer der Kaupp Ausbau & Fassade GmbH. In dieser Doppelspitze verantworten sie gemeinsam die strategische Ausrichtung und operative Führung des Unternehmens.
https://kaupp-farbe.de/
Lesen Sie dazu auch:




