In der Übersicht
Das Spritzgerät ist bezahlt. Es steht im Betrieb. Und auf der Baustelle wird gerollt.
Wenn Sie nachfragen, bekommen Sie keine Weigerung. Sie bekommen eine Begründung:
- Die Maschine ist nicht richtig sauber.
- Der Abdeckaufwand ist hier zu hoch.
- Auf dieser Baustelle lohnt es sich nicht.
Jede dieser Begründungen kann stimmen. Auffällig wird es erst, wenn sie sich abwechseln.
Christian John hat drei Gesellen zum Spritztraining geschickt. Vorher hatte er mehrfach versucht, das Spritzen im Betrieb zu etablieren. Jedes Mal kam etwas dazwischen. Das hat ihn lange geärgert, weil er es als Willensfrage gelesen hat.
Heute beschreibt er die Ursache anders.
Wechselnde Begründungen sind nicht unbedingt Widerstand
Das ist selten eine Frage des Wollens. Häufig hängt es damit zusammen, wie sicher sich jemand mit einem Verfahren fühlt, wenn der Kunde danebensteht.
Rechnen Sie die Situation einmal aus Sicht des Gesellen durch. Er hat zwei Möglichkeiten. Die eine macht er seit zehn Jahren. Sie dauert länger, aber er weiß morgens, wie die Fläche abends aussieht. Die andere hat er ein paar Mal gesehen und selten selbst gemacht. Sie geht schneller, wenn alles passt. Wenn nicht, steht er mit Läufern, Overspray oder einer verstopften Düse in einer bewohnten Wohnung, und der Kunde sieht zu.
Solange die Rechnung so aussieht, gewinnt die Rolle. Auch bei einem Mitarbeiter, der die Technik gut findet.
Im Betrieb kommt davon nichts an, außer dem Ergebnis: Das Gerät ist bezahlt und erwirtschaftet nichts. Die Ausführungszeiten bleiben, wo sie waren. Und in der Nachkalkulation steht am Ende eine Stundenzahl, mit der im Angebot so nicht gerechnet wurde.
Kennen, können, einsetzen
Im Betriebsalltag werden drei Dinge oft in einen Topf geworfen.
Das Verfahren kennen. Der Geselle weiß, wie gespritzt wird, hat zugesehen, kann es erklären.
Das Verfahren können. Er bekommt eine Fläche sauber hin, wenn er Zeit hat, der Untergrund bekannt ist und niemand wartet.
Das Verfahren einsetzen. Er entscheidet sich am Dienstagmorgen in einer bewohnten Wohnung dafür, obwohl er das Ergebnis noch nicht hundertmal gesehen hat.
Die dritte Stufe entsteht nicht dadurch, dass man die zweite oft genug wiederholt. Sie entsteht vor allem dann, wenn jemand einen Fehler erlebt und behoben hat, bevor er ihm beim Kunden passiert. Wer die verstopfte Düse, den Läufer und die falsche Druckeinstellung einmal selbst in den Griff bekommen hat, entscheidet auf der Baustelle anders.
Wer entscheidet, ob gespritzt wird?
Dazu kommt eine Frage, die nicht beim Gesellen liegt, sondern beim Betrieb.
Wenn diese Entscheidung morgens auf der Baustelle fällt, entscheidet die Unsicherheit mit. Fällt sie beim Aufmaß, mit der Abdeckung als Position im Angebot und einer eingeplanten Zeit für die Maschinenreinigung, dann steht der Geselle vor einer anderen Aufgabe. Er muss die Arbeitsweise nicht mehr rechtfertigen, er muss sie ausführen.
Fazit sechs Monate später
Im Training haben die Gesellen vor allem eines aufgebaut: Sicherheit und Vertrauen in die Maschine.
Christian John sagt: „Diese Unsicherheit vor etwas Neuem habe ich früher gnadenlos unterschätzt.“
Und zum heutigen Stand: „Heute ist Spritzen für unsere Gesellen selbstverständlich, das Rollen ist die Ausnahme geworden.“
Was Sie jetzt prüfen können
- Wie oft war Ihr Spritzgerät in den letzten vier Wochen tatsächlich im Einsatz?
- Wer entscheidet auf der Baustelle, ob gespritzt wird?
- Steht der Abdeckaufwand in Ihren Angeboten als eigene Position, oder verschwindet er in der Fläche?
- Welche Begründung gegen das Spritzen haben Sie zuletzt gehört, und welche davor?
Wenn Sie den Einsatz erhöhen wollen, hilft Verbindlichkeit nach dem Training. Legen Sie die erste Baustelle nach dem Training vorher fest, mit Datum und mit Namen. Planen Sie im selben Monat zwei weitere. Drei Baustellen in vier Wochen verändern mehr als ein guter Vorsatz im Frühjahr.
Das nächste Spritztraining
Zwei Tage, 8. und 9. Oktober 2026 in Lichtenfels, maximal acht Teilnehmer. Die Gesellen bringen ihre eigenen Geräte, Werkzeuge und Materialien mit, damit sie mit der Maschine trainieren, mit der sie danach arbeiten.
Die Technik übernimmt Ali Ihsan Yildirim, der seit über 15 Jahren mit Spritztechnik arbeitet. Die Abläufe im Betrieb übernimmt Olaf Ringeisen.
Trainiert wird entlang der Baustelle: Arbeitsplatz einrichten, abdecken, Material und Düse wählen, Druck einstellen, spritzen und nachrollen, Fehler analysieren, Maschine reinigen.




