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Inflation: Und wenn sie doch (nicht) kommt?

Fast unbemerkt bei all der medialen Omnipräsenz der Corona-Pandemie rückt derzeit an den Finanzmärkten das Thema Inflation in den Fokus. Die deutsche Inflationsrate für Januar war ein echter Hingucker.

Inflation rückt in den Fokus

  • Die deutsche Inflationsrate für Januar war mit einem starken Plus von 1,6 % ein echter Hingucker. Doch derzeit haben wir es mit zahlreichen Sondereffekten zu tun, die gegen Jahresende auslaufen werden. Insgesamt überwiegen die preisdämpfenden Wirkungen der Corona-Pandemie: unterausgelastete Kapazitäten, erhöhte Arbeitslosigkeit, schwache Lohnsteigerungen und aufgeschobene Unternehmensinvestitionen. In einem solchen Umfeld hat es die Inflationsrate schwer, nachhaltig anzusteigen.
  • Daher wird der Anstieg der Inflationsrate nur von kurzer Dauer sein. Daraus ist kein Politikwechsel für die Europäische Zentralbank ableitbar. Die EZB bleibt bei ihren Anleihekäufen, und wir bleiben bei unserer Prognose der ersten Leitzinserhöhung im Jahr 2026. Durch Einmaleffekte schauen Notenbanken durch. Dies gilt im Übrigen auch für die US-Notenbank Fed.

Deutschland: Ein bisschen Wachstum im Schlussquartal 2020 

  • Die Wirtschaftsleistung nahm in Deutschland im Schlussquartal 2020 um 0,1 % im Vorquartalsvergleich zu. Dieser vergleichsweise gute Wert ist die Folge der recht späten und zögerlichen Lockdown-Maßnahmen. Zudem expandierte die Industrie infolge einer soliden weltwirtschaftlichen Entwicklung weiter und kompensierte die Schwäche der Dienstleister.
  • Da der Lockdown sich aber weit in das erste Quartal 2021 hineinzieht, ist in diesem Zeitraum mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts zu rechnen. Unser Konjunkturbild einer kräftigen Erholung im weiteren Verlauf des Jahres bleibt aber erhalten.

Gold: Corona-Pandemie schwächt Goldnachfrage

  • Die Ende Januar veröffentlichten Daten zum weltweiten physischen Goldmarkt zeigen, dass die Corona-Pandemie im Gesamtjahr 2020 die schwächste Goldnachfrage seit dem Finanzkrisenjahr 2009 zur Folge hatte, insbesondere wegen der Schwäche der Schmucknachfrage. Bei der Goldminenproduktion hinterließ die Pandemie ebenfalls Bremsspuren.
  • Die Aussichten für den Goldpreis bleiben allerdings nach der Überwindung der Pandemie konstruktiv, vor allem wegen der noch lange Jahre anhaltenden stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik.

EZB hält vorerst die Füße still

  • Im Dezember hatte die Europäische Zentralbank weitere Lockerungsmaßnahmen beschlossen. Bei der Ratssitzung im Januar blieb sie dagegen eher vage. Einerseits zeigte sie sich bereit, bei Bedarf alle Instrumente anzupassen. Andererseits gab sie zu verstehen, in einem günstigen finanziellen Umfeld mit weniger Wertpapierkäufen auskommen zu wollen.
  • Kurzfristige Zinsen werden für lange Zeit niedrig bleiben; die Inflationsrate dürfte noch viele Jahre tendenziell über den kurzfristigen Zinsen liegen.

Höhere Inflationserwartungen lassen Bundrenditen steigen

  • Die zunehmende Konjunkturzuversicht und vor allem der Anstieg der an den Kapitalmärkten eingepreisten Inflationserwartungen schlagen sich weltweit in höheren Renditen langlaufender Staatsanleihen nieder. Der Inflationsanstieg in Euroland wird aber temporär sein. Auch die EZB dürfte den Preisauftrieb weiterhin als zu gering einstufen und daher vorerst an ihrer stark expansiven Ausrichtung festhalten.
  • Insbesondere die risikoarmen Segmente im Rentenbereich sind derzeit wenig attraktiv für Anleger. Die Renditen langlaufender Bundesanleihen werden auch mittelfristig kaum über die Inflationsrate steigen.

DAX-Unternehmen profitieren von guter Auslandsnachfrage

  • Die Stimmung der Unternehmen und deren Geschäftsausblicke sind von dem unbefriedigenden Impffortschritt kaum betroffen. Denn die globale Konjunktur überzeugt weiter positiv, was sich für die deutschen Unternehmen vor allem in einer steigenden Auslandsnachfrage niederschlägt. Dieser Effekt lässt sich auch an den bislang für das abgelaufene vierte Quartal vorgelegten Unternehmenszahlen ablesen.
  • Die fundamentalen Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte sind intakt, und zwischenzeitlich aufkommende Unsicherheitsfaktoren führen am Aktienmarkt nur zu zeitlich und vom Ausmaß her begrenzten Kurskorrekturen.

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